Deutschland packt es an!
Warum wir Arbeit wieder belohnen, Verantwortung fördern und Bürokratie abbauen müssen.
Deutschland steckt fest: Reformen versanden, Arbeit wird verteuert, Sozialkosten und Bürokratie wachsen schneller als die Wirtschaft.
Dieses Buch zeigt, warum unser Land neue Ideen braucht und nicht an deren Umsetzung scheitern darf.
Kapitel für Kapitel deckt „Deutschland packt es an!“ strukturelle Fehlanreize auf – in Steuer- und Sozialsystem, Bildung, Verwaltung, Energiesektor und EU-Politik. Es beschreibt die demografische Schieflage ebenso wie den übermäßigen „Studierwahn“, das Auseinanderdriften von Eigenverantwortung und Bevormundung – und die lähmende Angst vor Entscheidungen.
Statt weiterer Detailregelungen fordert das Buch: mehr Vertrauen in Bürger und Unternehmen, weniger Belastung von Arbeit, eine grundlegende Vereinfachung von Steuern und Abgaben – und einen Staat, der wieder auf das Wesentliche fokussiert: ermöglichen statt blockieren.
„Deutschland packt es an!“ ist kein Abgesang – sondern eine Einladung zum Aufbruch: verständlich, streitbar und mit dem unerschütterlichen Glauben daran, dass Zukunft nicht verwaltet, sondern gestaltet werden muss.
Einführung
Kapitel 1: Nix geht mehr
Kapitel 2: Eigenverantwortung statt Bevormundung
Kapitel 3: Allgemeininteressen statt Kirchturmpolitik
Kapitel 4: Die hässliche Bürokratie
Kapitel 5: Organisationen lebendiger gestalten
Kapitel 6: Die Demografie-Falle
Kapitel 7: Erziehung, Bildung und „Studierwahn“
Kapitel 8: Steuern: Ein System außer Kontrolle
Kapitel 9:
Sozialversicherung: Arbeit sollte man nicht bestrafen
Kapitel 10: Der Umbau des Steuer- und Abgabensystems
Kapitel 11: Inflation, Schulden und Sparen
Kapitel 12: Die unumgängliche Energiewende
Kapitel 13: Die EU – Fluch oder Segen?
Kapitel 14:
In der Zwickmühle zwischen den USA und China
Schlusswort – Zwischen Krise und Aufbruch
Kapitel 9:
Sozialversicherung: Arbeit sollte man nicht bestrafen
Wir haben ein Sozialversicherungssystem, das Arbeit bestraft, Unternehmen belastet und Privilegierte schützt. Kein Wunder, dass die Lust auf Leistung und Eigenverantwortung immer weiter schwindet. Wer kann, flüchtet – sei es aus dem Sozialversicherungssystem oder gleich ganz aus dem Arbeitsmarkt.
Das deutsche Sozialversicherungssystem ist nicht nur teuer, sondern ein regelrechter Arbeitsverhinderungs-Apparat, der dafür sorgt, dass Arbeiten sich für viele nicht lohnt, während Unternehmen durch hohe Lohnnebenkosten erdrückt werden.
Wer arbeiten geht, dem bleibt zu wenig in der Tasche. Unternehmen können kaum noch neue Jobs schaffen, weil die Sozialabgaben die Arbeitskosten explodieren lassen. Gleichzeitig entziehen sich privilegierte Berufsgruppen wie Architekten, Rechtsanwälte oder Ärzte komplett dem solidarischen System.
Mit Steuersenkungen kann man angeschlagenen Unternehmen nicht helfen, da diese ohnehin kaum Steuern zahlen. Aber mit einer Senkung der Sozialabgaben könnte man sie sofort entlasten.
Die folgenden Beispiele zeigen ein Sammelsurium von Absurditäten, die in unserem Sozialversicherungssystem gang und gäbe sind:
Absurdität 1: Arbeiten lohnt sich nicht für untere bis mittlere Einkommensgruppen
Jedem ist klar, dass die arbeitende Bevölkerung mehr verdienen muss, als Sozialhilfeempfänger an staatlichen Leistungen erhalten. Dass Arbeit sich lohnen muss, ist eine Binsenwahrheit. Doch genau das gelingt in Deutschland nicht. Wer arbeitet, bleibt oft genauso arm wie Derjenige, der nicht arbeitet, weil durch zu hohe Sozialabgaben zu wenig Netto vom Brutto bleibt.
Damit haben wir ein perfektes System für Arbeitsverweigerung geschaffen: Wer morgens aufsteht, zur Arbeit fährt, sich acht Stunden ins Zeug legt und am Monatsende kaum mehr übrighat als jemand, der nicht arbeitet, verliert jede Motivation. Das führt zu Frustration und heizt eine Neiddebatte an. Warum soll man sich eigentlich noch abrackern?
Absurdität 2:
Das Zwei-Klassen-System der Sozialversicherungen
Schön wäre ein einheitliches Sozialversicherungssystem für alle, doch in Deutschland gibt es ein Zwei-KlassenSystem: gesetzlich Versicherte und privat Versicherte. Otto Normalverdiener zahlt hohe Beiträge in die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung. Besserverdiener setzen sich ins private Krankenkassen-System ab und bekommen bessere Leistungen.
Arbeiter und Angestellte zahlen in die Rentenkasse, Heerscharen von Selbständigen und Beamten nicht. In vielen Berufen flieht man in private Kassen und zahlt keinen Cent in die gesetzliche Rentenversicherung. Die „dummen“ Arbeitnehmer zahlen für ein Rentensystem, das nicht für alle gilt.
Zudem begünstigen Beitragsbemessungsgrenzen die angestellten Besserverdiener. Ab einem bestimmten Einkommen steigen die Sozialabgaben nicht mehr weiter an – während die „kleinen Leute“ den vollen Beitragssatz auf ihr gesamtes Einkommen zahlen.
Absurdität 3:
Die Milchmädchenrechnung beim Arbeitgeberanteil
Der vielleicht dreisteste Taschenspielertrick in unserem Sozialsystem ist der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung. Das klingt so, als würde der Chef aus eigener Tasche etwas für seine Mitarbeitenden drauflegen – dem ist natürlich nicht so. Denn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen diese Ausgaben zuvor erwirtschaften.
Die Wahrheit ist: Ein Unternehmen rechnet immer mit den Gesamtkosten für eine Arbeitskraft – und nicht nur mit dem Bruttogehalt. Ob der Arbeitgeberanteil zuerst in die Tasche des Angestellten fließt oder vom Unternehmen gleich an die Krankenkasse oder Rentenversicherung weitergereicht wird, macht für den Arbeitgeber ökonomisch keinen Unterschied.
Der Arbeitgeberanteil ist nichts anderes als ein versteckter Arbeitnehmeranteil. Die ehrlichere Lösung wäre, diese versteckte Abgabe auf dem Lohnzettel auszuweisen. Dann würde jede und jeder schwarz auf weiß sehen, wie extrem unser Sozialsystem die Arbeitnehmenden belastet.
Absurdität 4:
Kleinverdiener zahlen die höchsten Abgaben
Das deutsche Sozialversicherungssystem hat das Etikett „solidarisch“ zu sein – doch in Wahrheit ist es ein riesiger Umverteilungsapparat von unten nach oben. Ein einfaches Beispiel veranschaulicht dies:
Ein Azubi verdient circa 800 Euro netto im Monat. Sein Bruttogehalt liegt bei circa 1.000 Euro – doch sein Arbeitgeber muss insgesamt circa 1.200 Euro für ihn bezahlen. Der Azubi zahlt also zusammen mit seinem Chef satte 400 Euro in die Sozialversicherung – das ist die Hälfte seines Nettolohns.
Zum Vergleich: Ein erfolgreicher selbstständiger Vermögensberater verdient im Durchschnitt 10.000 Euro im Monat. Er ist privat krankenversichert und zahlt nicht in die Rentenkasse ein. Er zahlt keine Arbeitslosenversicherung, nur einen MiniAnteil zur Pflegeversicherung. Seine Abgabenquote an die vermeintlich solidarische Sozialversicherung ist nahe null.
Top-Verdiener haben alle Möglichkeiten, sich aus dem System zu verabschieden und zahlen nur einen Bruchteil ihres Einkommens in die Sozialversicherung. Dass sie als Selbstständige auch noch Steuerprivilegien nutzen können, gehört zu einem anderen Kapitel.
Man stelle sich einmal vor, Einkommensmillionäre würden – wie unser Azubi im obigen Beispiel – die Hälfte ihres Netto-Verdienstes in die Sozialversicherung einzahlen. Das wäre geradezu empörend. Stattdessen trifft es die unteren und mittleren Einkommen, also diejenigen, die sowieso schon jeden Cent umdrehen müssen.
Wer wenig verdient, zahlt hohe Abgaben. Wer viel verdient, zahlt relativ wenig Abgaben. Ist das solidarisch?
Absurdität 5:
Das System der „Teilzeiteritis“
Ist Teilzeitarbeit ein Segen oder eine Schwachstelle des Systems? Wie können wir Teilzeitarbeit so gestalten, dass sie individuelle Lebensentwürfe ermöglicht – ohne die Stabilität des Sozialsystems zu gefährden?
Auf der einen Seite ermöglicht Teilzeitarbeit eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Sie trägt dazu bei, dass Menschen gerade in Lebensphasen mit erhöhten privaten Anforderungen im Arbeitsleben bleiben. Viele würden ohne die Möglichkeit zur Teilzeit gar nicht arbeiten.
Zudem erlaubt Teilzeitarbeit mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität. In einer Gesellschaft, die sich immer weiter diversifiziert, sind flexible Arbeitsmodelle die richtige Antwort, auch um Fachkräfte im Beruf zu halten und die Zufriedenheit der Arbeitskräfte zu erhöhen.
Auf der anderen Seite führt Teilzeitarbeit zu einer strukturellen Schieflage: Obwohl die Gesellschaft die Ausbildungskosten übernimmt und für soziale Absicherung sorgt, bringen sich viele gut qualifizierte Menschen nur teilweise in den Arbeitsmarkt ein. Das bedeutet weniger Steuereinnahmen, geringere Rentenbeiträge – und am Ende eine höhere Belastung für Vollzeitbeschäftigte und den Staat.
Wenn immer mehr Menschen dauerhaft Teilzeit arbeiten, geraten Sozialversicherungen und Rentensysteme unter Druck. Die wirtschaftliche Produktivität bleibt hinter den Möglichkeiten zurück, während gleichzeitig hohe Anforderungen an Bildung, Infrastruktur und Pflege gestellt werden.
Teilzeit ist das neue Statussymbol – und die, die noch Vollzeit arbeiten, sind die Dummen. Die Teilzeitwelle verstärkt den Fachkräftemangel. Vollzeit zu arbeiten bzw. Überstunden zu schieben, lohnt sich bei Durchschnittsverdiensten nicht. „Ich verstehe die jungen Leute völlig. Also warum soll ich noch Vollzeit arbeiten, vier Tage reichen doch auch, denn ich komme eh auf keinen grünen Zweig.“, kommentiert Andreas Beck die Situation.
Unser Sozialsystem hat einen weiteren Konstruktionsfehler: Wer weniger arbeitet, zahlt weniger in die Krankenversicherung ein, obwohl das Krankheitsrisiko in den meisten Fällen genau dasselbe bleibt. Der Vollzeit-Arbeitnehmer wird „abgezockt“ und zahlt den vollen Beitrag. Der Teilzeitbeschäftigte zahlt nur einen Teil, profitiert aber in gleichem Maße vom System. Er erhält die gleichen Gesundheitsleistungen für deutlich weniger Beitrag. Wo bleibt da die Fairness? Jeder hat ein Recht auf Teilzeit, aber kein Recht auf ermäßigte Krankenversicherungsbeiträge.
Stellen wir uns einmal vor, es wäre andersherum: Vollzeit-Arbeitskräfte zahlen weniger für die Krankenversicherung als Teilzeitkräfte. Es würde einen Sturm der Entrüstung geben. Aber so wie es jetzt ist, scheint es niemanden zu stören. Je weniger in der Gesellschaft gearbeitet wird, desto teurer wird die Sozialversicherung für die Vollzeit-Arbeitnehmer. Solange die Malocher das System tragen, läuft die Umverteilung weiter, und die Teilzeit-Profiteure nehmen es als selbstverständlich hin.
Eine gute Lösung wäre ein fester Sockelbeitrag für alle. Jeder hätte einen relativ hohen Grundbeitrag zur Krankenversicherung zu leisten. Nur so wäre die Belastung fair auf viele Schultern verteilt. Nur so würde sich Vollzeitarbeit wieder lohnen. Nur so würden die Fleißigen nicht weiter für die Work-Life-Balance der Freizeit-Elite schuften.
Wir leisten uns eine Benachteiligung von Vollzeit-Arbeit und wundern uns über den Personalmangel. Jede Branche jammert über Fachkräftemangel, aber Vollzeitarbeit wird zunehmend unattraktiver gemacht. Wir müssen aufhören, Teilzeit steuerlich und sozialpolitisch zu fördern.
Wer Vollzeit arbeitet, sollte in die Krankenversicherung nicht mehr einzahlen als Teilzeitkräfte. Jeder muss einen fairen Beitrag leisten – alles andere ist zum Nachteil der Bevölkerung, die hart arbeitet.